Wie "Fridays for Future" immer professioneller wird

Jul 31, 2019 by apost team

Die Schüler- und Studentenbewegung "Fridays for Future" (FFF) ist in den letzten Monaten stetig gewachsen: Angefangen mit nur wenigen Demonstranten, kann die Klimainitiative inzwischen alleine in Deutschland um die 500 Ortsgruppen zählen. Auch wenn zunächst noch ein großes Chaos innerhalb der Bewegung herrschte, wurden mittlerweile fast professionelle Strukturen geschaffen. Der Protestforscher Moritz Sommer bezeichnet dies als "große Erfolgsgeschichte".

Michael Campanella/Getty Images

Selbst Greta Thunberg, die Gründering der Fridays for Future-Bewegung war sich anfangs nicht sicher, ob ihre Initiative Bestand haben würde. "Natürlich mache ich mir Sorgen, dass die Bewegung bald nachlassen wird", berichtete die Klimaaktivistin im Januar diesen Jahres in einem Interview mit der SZ.

Doch ihre Sorgen waren unbegründet: Greta erhielt mit ihrer Bewegung international Aufmerksamkeit und konnte Klimainteressierte auf der ganzen Welt für sich gewinnen.

apost.com

istockphoto.com/nito100

Nachdem die ersten Streiks in Deutschland bereits im Dezember 2018 stattfanden und in Städten wie Bad Segeberg, Köln und Berlin nicht mehr als 150 Teilnehmer zählen konnten, gingen im Mai diesen Jahres bundesweit bereits mehr als 300.000 Demonstranten auf die Straße. 

Ab Mittwoch werden zudem mehr als tausend Aktivisten zu einem fünftägigen Klimakongress in Dortmund erwartet, der von den Fridays for Future-Anhängern organisiert wurde. Mit Workshops, Diskussionsrunden und Bühnenprogramm wollen die jungen Aktivisten auf die aktuelle Klimaproblematik aufmerksam machen. Hierfür wurden neben dem Vorsitzenden der Wirtschaftsweisen und einem Bereichsleiter der Gewerkschaft Verdi, auch der Kabarettist Marc-Uwe Kling eingeladen.

Für den 20. September ist zudem der dritte weltweite Streik geplant, bei dem dieses mal auch Erwachsene dabei sein sollen.

Greta als Symbol der Bewegung

Aber wie haben es die Klimaaktivisten geschafft, sich von einer Spontanaktion zu einer internationalen Bewegung zu entwickeln, die nun sogar einen gesamten Kongress organisiert?

Im Fokus stand zu Beginn nur Greta Thunberg, die das Internet nutzte, um auf sich und ihre Politik aufmerksam und zu machen.

Über ihren Social Media Account berichtete die damals 15-jährige ab August 2018 von ihrem geplanten Schulstreik, mit dem sie vor dem Schwedischen Parlament protestierte. Im September 2018 nutzt sie erstmals den Hashtag #FridaysforFuture, der bald darauf zum Motto einer ganzen Bewegung wurde.

Greta Thunberg ist seitdem zur Symbolfigur der Bewegung geworden. Sie wird zu den wichtigsten Klimadiskussionen eingeladen und hält vor den mächtigsten Politikern ergreifende Reden, wie kürzlich bei der UN-Klimakonferenz in Kattowitz oder dem Weltwirtschaftsforum in Davos. 

Vom Chaos zur professionellen Struktur

Zeitgleich trafen sich weltweit immer mehr Schüler für Fridays for Future. Selbst kleinste Gruppen konnten durch Social Media, dem Verbeiten ihrer Schilder und dem Hashtag Teil eines großen Ganzen werden.

Das Gefühl einer Gruppenzugehörigkeit stärkt nicht nur das Bild nach Außen, sondern motiviert auch jeden Einzelnen. Damit passt es zu dem Motto der Bewegung, die jeden Einzelnen als wichtig anerkennt – die Klimakrise betreffe schließlich alle.

Die Bewegung in Deutschland

istockphotos.com/Rawpixel

Auch in Deutschland kommt dieses Konzept gut an. Inzwischen gibt es wohl mehr als 500 Ortsgruppen der Bewegung.

"Am Anfang herrschte das Chaosprinzip: Alle haben einfach mal gemacht, wie sie gedacht haben", erklärt Carla Reemtsma, die sich um die Pressearbeit der Bewegung kümmert, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. 

"Seitdem hat sich viel verändert, und Strukturen wurden geschaffen." 

Über Whatsapp wird Kontakt zu den verschiedenen Ortsgruppen gehalten, es entstehen Telefonkonferenzen und bundesweites Arbeitsgruppen mit Unterthemen, die sich beispielsweise über die Kampagnen der Bewegung Gedanken machen. Abgestimmt wird auf Gruppenbasis, Delegierte vertreten dabei die einzelnen Mitglieder der Ortsgruppen.

Aushängeschild bleibt weiterhin Greta Thunberg; einen Anführer oder eine Anführerin für die Bewegung wünsche man sich allerdings nicht. Die Studentin Luisa-Marie Neubauer, die in Deutschland als eine der Hauptorganisatoren der Bewegung, oftmals mit Thunberg verglichen wird, wurde hierzulande zwischenzeitig zum Gesicht der Protestaktionen. Das widerspricht jedoch den eigentlichen Prinzipien der Bewegung.

So erstellte die "Struktur AG" vor Kurzem ein 21-seitiges Organisationspapier, in dem sich die Bewegung auf basisdemokratische Prinzipien beruft.

Auch eine Forderungsliste an die deutsche Politik wurde bereits erstellt. Über die gemeinsamen Ziele wurde abgestimmt: Einhaltung des Pariser Abkommens und des 1,5-Grad-Celsius-Ziels, Kohleausstieg bis 2030 und ausnahmslos erneuerbare Energien bis 2035.

FFF - eine große Erfolgsgeschichte

"Die Bewegung hat sich auf jeden Fall professionalisiert", sagt Moritz Sommer vom Berliner Institut für Protest- und Bewegungsforschung im Interview mit der Südddeutschen Zeitung.

Er bezeichnet Fridays for Future als "große Erfolgsgeschichte". Die Bewegung mache clevere Medienarbeit und sehe von außen sehr organisiert aus.

In einer Untersuchung der Schülerstreiks hat Sommer mit dem führenden Protestforscher Dieter Rucht auch die Schule als entscheidenden Faktor innerhalb der Bewegung gesehen. Sie helfe bei der Mobilisierung, da sich die Schüler dort täglich und ohne Einfluss von außen über die Thematik ausstauschen könnten.

Die Mitglieder der Bewegung

Die Schule spielt auch im anderen Sinn eine große Rolle innerhalb der Bewegung: Studien des Instituts ergaben, dass mehr als die Hälfte der Klimaaktivisten Abitur hat oder anstrebt. So fühlen sich 70 Prozent der Schüler der Mittelschicht zugehörig, fast 80 Prozent sehen sich als politisch links. 

Die meisten jungen Klimaaktivisten haben demnach einen ähnlichem soziokulturellem Hintergrund. Sie könnten sich deshalb auch auf den Rückhalt ihrer Eltern verlassen und Freitags demonstrieren, statt zur Schule zu gehen, so die These.

Trotzdem scheint nicht alles perfekt organisiert zu sein: Wie der Spiegel berichtete, gab es bei einer Proestaktion in Aachen im Juni diesen Jahres Probleme bei der Finanzierung. Ein Aktivist hatte 73.000 Euro für einen Sonderzug investiert und könnte nun auf einem Teil des Geldes sitzen bleiben.

Was denkst Du über die aktuelle Klimakrise und die Fridays for Future-Bewegung? Würdest Du ebenfalls für eine neue Klimapolitik auf die Straße gehen oder denkst Du, es gibt bessere Alternativen? Wir sind auf Deine Ideen gespannt! Zeige diesen Beitrag auch Deinen Freunden und diskutiert gemeinsam über die aktuelle Situation.