Was Eltern morgens vor der Arbeit schon auf sich nehmen

Sep 20, 2018 by apost team

Letztens, in der Früh auf Arbeit … Ich stehe im Büro am Kaffeeautomaten. Mein Kollege kommt und wir unterhalten uns etwas und dann dieser eine Satz: „Man, das war wieder ein Stress heute früh!“ Ach gottchen, du Armer. Damit er nicht in seinem Selbstmitleid zerfließt, schenkte ich ihm ein paar aufmunternde Worte, nickte voller Verständnis und begab mich wieder an meinen Arbeitsplatz.

Mein lieber 'Single-und-ohne-Kinder' Kollege …

Was ich ihm eigentlich gern gesagt hätte, wäre aber etwas anderes gewesen ...

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Wir reden über Stress? Dann lass Dir das hier mal gesagt sein!

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Wann bist du heute Morgen aufgestanden? 7 Uhr? Weißt Du, wie lange ich da schon auf den Beinen war? Fast zwei Stunden, wie jeden anderen Tag auch! Während Du Dich noch in Deine Decke gekuschelt und geträumt hast, habe ich Tränen von kleinen, roten Wangen geküsst und einen kleinen, müffelnden Po abgewischt! Währenddessen habe ich auch noch eine Lektion erteilt, weil man den Inhalt einer Windel nicht auf dem Boden verteilt! Als ich den Hintern sauber hatte, habe ich das dazugehörige Kind satt und pünktlich in den Kindergarten gebracht.

Vor 9 Uhr! Vor der Arbeit! Natürlich, das ist weder eine Heldentat noch eines Abzeichen würdig. Zig tausend Eltern machen das weltweit, tagtäglich. Ich bin freiwillig Papa und bin glücklich mit meiner Rolle. Wenn wir aber über Stress reden, dann muss so was hier auch mal gesagt werden!

Vorhin saß ich im Zug und zerbrach mir darüber den Kopf, was nun eigentlich noch passieren kann. Den ganzen Arbeitstag hatte ich noch vor mir, aber mein Gefühls-Chaos kommt nie zur Ruhe. Warst Du je morgens frustriert, weil Du jemanden angebrüllt hast? Seit ich Vater bin, passiert mir das selten, aber viel zu oft um darüber glücklich zu sein. Es geht aber nicht, mal nebenbei den Krümel in die Kita zu bringen und dann frisch und fröhlich ins Büro zu kommen. So einfach ist das nicht. Leider.

Kleine Kinder haben kein Bewusstsein für Zeit.

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Ich hörte, eine alte asiatische Weisheit besagt: „Gehe langsam, wenn Du es eilig hast!

Ich bin mir fast sicher, dass dieser Spruch eigentlich von meiner Tochter kommt. Kleinkinder wissen nicht, was Zeit ist. Sie kennen sie nicht, sie haben kein Gefühl dafür, geschweige denn eine Vorstellung davon.

Minuten, Stunden, heute, morgen, jetzt, gleich, nachher, übermorgen 15 Uhr. Beneidenswert, wenn man darüber nachdenkt und doch auch beängstigend, wenn man sieht, wie abhängig man als Erwachsener von Zeit ist. Tagtäglich, planen, timen wir, sonst würde alles um uns herum zusammenbrechen. Nichts würde funktionieren, die Welt wäre ein Chaos.

Achtest Du nicht auf die Zeit, hat das für Dich als Erwachsenen Konsequenzen. Meine Tochter, die den Inhalt ihrer Windel auf dem Fußboden faszinierend findet, interessiert alles, was mit Zeit zu tun hat, aber nicht.

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Jeden Morgen ein anderes Chaos, eine kleine Hölle, die ich doch so sehr zu lieben vermag.

Ich sag meiner Tochter morgens um 7:50 Uhr, dass sie sich anziehen und die Zähne putzen soll, damit wir nach dem Frühstück pünktlich um 8:30 los können. Trotz, dass sie eigentlich keine Windel mehr braucht, trägt sie gelegentlich welche, wenn mal wieder eine Phase ist, in der ihr ab und zu ein Malheur passiert. Dann zieht sie verlegen ihre Windel aus und versucht mit Chaos abzulenken, sodass sie letztendlich 8:25 am Frühstückstisch sitzt und ihren Jogurt löffelt, während ich auf dem Boden knie und ihr die Strumpfhose anziehe.

Als Zombie zum Bahnhof, die Leute rennen schon kreischend davon …

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8:33 Uhr: Auf zur Kita. Während wir uns dorthin schleppen, bemerke ich natürlich, dass ich meine Zugangskarte für die Arbeit in der anderen Jacke habe. Wunderbar!

8:43 Uhr in der Kita angekommen. Natürlich klammert sich mein Mäuschen heulend an mich. Wiedermal breche ich ihr das Herz und laufe rückwärts aus ihrem Kita-Zimmer, während frische Tränen mich von ihren Wangen aus vorwurfsvoll anblitzen und mir zurufen, dass ich ein Rabenvater bin. Zeit für tröstende Worte gibt es nicht. Ein entschuldigender Blick und ein zärtlicher Luftkuss, dann bin ich weg.

8:47 Uhr: Raus aus der Kita und ab zum Bahnhof. Mit dem Gedanken an einen Kaffee entspannt sich alles ein ganz kleinwenig. Acht Stunden im Büro sind nicht die schönste Vorstellung, vor allem wenn man sich nichts anmerken lassen darf, aber irgendwie werde ich den Tag wie jeden anderen überstehen.

Lieber Kollege, nimm es mir nicht übel, aber das musste mal raus.

Kennst auch Du diese Situation und willst Deinen Kollegen zeigen, wie es ist, morgens noch vor der Arbeit die Kinder versorgen zu müssen? Dann zeig ihnen den Artikel und kläre sie damit auf!