Warum ich mich noch mit dem Sohn meiner Exfreundin treffe

Sep 10, 2018 by apost team

Muss denn mit dem Ende einer Beziehung auf die Liebe zu nicht involvierten Personen enden? Nein? Genau so sehen das auch der fünfjährige Noah und sein Stiefvater Shahin. Dieser trifft sich trotz der Trennung von seiner Exfreundin immer noch mit ihrem Sohn.

istockphoto.com/jacoblund

Er berichtet, dass er mindestens ein mal pro Woche von Noah besucht wird, um einen gemeinsamen Männerabend zu zelebrieren. Sie kochen zusammen, machen also Hamburger oder Pizza, spielen Computerspiele oder kämpfen im Bett oder auf der Couch. Ja, die beiden verbindet mittlerweile wirklich eine Freundschaft.

apost.com

istockphoto.com/amriphoto

Er berichtet, dass es sechs Jahre her ist, seitdem er Noahs Mutter kennenlernte. Sie begegnete ihm im Schlabbershirt, die Haare nicht zurecht gemacht und ungeschminkt. Er saß vor dem Haus auf einer Bank und wurde von ihr angesprochen - sie fragte nach einem Nachbar und Shahin war sofort verknallt. Hinter ihr stand der damals dreijährige Noah mit einem Ball in der Hand. Shahin sagt, dass er aufstand und mit dem kleinen ein wenig Ball spielte.

Dabei legte er mehrfach und behutsam seine Hand an die Kante der Tischtennisplatte, damit der Kleine sich nicht stößt. Er wollte Acht geben. Und vor allem wollte er, dass seine Mutter sieht, wie liebevoll und behutsam er mit dem kleinen Noah umgeht. Zwar eine Masche, aber sie hat geklappt. Nach einigen Monaten waren die beiden ein glückliches Paar und Patricia zog mit dem kleinen Noah in seine Junggesellenwohnung ein. So wurde als der damaligen Männer-WG ein neues zu Hause für die kleine, junge Familie.

istockphoto.com/SolStock

Von da an änderte sich mein ganzen Leben, erzählt der junge Mann. Ich bin selbstständiger Cutter und konnte mir bisher meine Arbeitszeiten frei einteilen. Am besten arbeite ich nachts. Nun musste ich mich an das Familienleben anpassen, früh 7 Uhr aufstehen und drei gemeinsame Mahlzeiten einnehmen. Ich musste Verantwortung übernehmen und das war am Anfang eine große Herausforderung. Patricia hat keinen Kontakt mehr zu dem leiblichen Vater und so musste ich in diese neue Rolle schlüpfen. Ab diesem Moment fühlte ich mich also für den kleinen Mann verantwortlich.

istockphoto.com/LittleBee80

Die Beziehung zu ihr hielt jedoch nur drei Jahre. Aufgrund meiner Selbstständigkeit musste ich viel reisen, auf Konzerte, auf Festivals oder andere Aktivitäten. Diese Art der Arbeit hat in das Familienleben nicht gepasst, was schlussendlich zu einer Trennung führte.

istockphoto.com/AleksandarNakic

Ich war jedoch sehr dankbar, als sie mich nach der Trennung fragte, ob ich weiterhin eine Rolle in Noahs Leben spielen möchte. Und das wollte ich, denn als ich klein war, hat mein Vater ebenfalls unsere Familie verlassen. Ich weiß also wie sich das anfühlt. Und genau dieses Gefühl wollte ich für Noah nicht, ich wollte, dass er sich auf mich verlassen kann und ich wollte auch für ihn einstehen.

Und so kam es, dass Noah mich mittlerweile ganz selbstverständlich "Papa" nennt, ich ihn von der Schule abhole und wir ein mal pro Woche einen Männerabend machen. Wir tun uns gegenseitig gut. Er gibt meinem hektischen und stressigen Alltag ein wenig Ordnung, Struktur und Stabilität. Nun sind auch die kleinen Dinge des Lebens wichtig, egal ob die Frage besteht, welches Obst wir entsaften oder welches Computerspiel das Beste ist.

istockphoto.com/Georgijevic

Er kommt bald in die Pubertät und ich habe ein wenig Angst, was dann passiert. Aber ich lasse ihn das selbst entscheiden, welche Rolle ich in seinem Leben spielen soll. Und bis dahin bin ich weiterhin für ihn da.

Wie findest Du es, dass jemand in einer solchen Situation noch so viel Verantwortung übernimmt? Kennst Du vielleicht sogar ähnliche Situationen? Zeig den Artikel auch Deinen Freunden, damit auch sie erfahren, dass eine Trennung nicht zu Lasten der Kinder gehen muss!