Lernt kochen statt Bilder von Gewürzen zu posten
Nov 13, 2018 by apost team
Habt Ihr den Trend alle mitbekommen? Wisst Ihr, was man posten muss, um von Lifestyle Gurus, Foodies, Influencern und Megastars ein Like zu bekommen? Richtig, herkömmliches Essen mit total innovativen, nie dagewesenen Gewürzmischungen. Und bitte die hübschen Dosen nicht vergessen auf dem Bild!
Von bestimmten Firmen, die zugegebenermaßen alle über eine sehr clevere Marketingabteilung verfügen, gibt es seit einiger Zeit Wundergewürze, Magic Spices, Mischungen, die Dein Essverhalten revolutionieren, Èpices gourmandes, Zusammenstellungen, die deine Geschmacksknospen zum Explodieren bringen - das alles und noch viel mehr können diese Kräuter, bitte sehr.
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Mit den neuen Szene Gewürzmischungen kannst Du drei Hype Fliegen mit einer Szene Klappe schlagen:
istockphoto.com/AlexRaths
1. Die Dosen sind so cute! (Fotos mit süßen Motiven bringen mehr Likes).
2. Selbst Rührei sieht mit den Gewürzen fashionable aus! (Fotos von Essen bringen einfach immer Likes).
3. Ich habe selbst und frisch und total gesund gekocht! (Fotos von gesundem, selbstgekochtem Essen bringen die allermeisten Likes).
Im Prinzip läuft dann doch jeder Hype aufs Gleiche hinaus: er bringt Likes.
istockphotos.com/monticelllo
Wenn du die Spices aber auch so gerne likest, solltest Du vielleicht mal einen schnellen Blick auf die Zutatenliste werfen: Meersalz, Schnittlauch, Paprika, Pfeffer, Petersilie. Nichts dabei, womit nicht auch schon Oma gewürzt hat. Gut, bei Oma sah die Dose nicht so hip und farbenfroh aus und hatte auch nicht so eingängige Namen wie Italian Allrounder, Cherry Kiss oder Berry Joghurt Spice. Dafür hat Omi aber auch nicht 36 Euro für 100 Gramm getrockneten Majoran ausgegeben.
Die Firmen werben damit, dass sie Deine Kreativität fördern wollen, Dich zum Kochen motivieren möchten und einfach mehr Geschmack in Dein Essen bringen. Das sind ja alles gute Ansätze und hehre Ziele, aber lasst doch mal die Kirche im Dorf und das Geld im Portemonnaie. Schafft Euch einen übersichtlichen Vorrat an Gewürzen an, wobei Ihr mit dieser Grundausstattung sicher gut fahrt:
- Salz (gerne Meersalz)
- Pfeffer, Cheyenne Pfeffer
- Paprika in scharf und edelsüß
- Knoblauch, immer frisch, aber auch getrocknet
Basilikum, im Sommer frisch, im Winter gefroren oder getrocknet, was auch für die folgenden Kräuter gilt:
- Petersilie
- Schnittlauch
- Rosmarin
- Thymian
- Chiliflocken
- Oregano/Majoran (den Unterschied könnt ihr ergooglen oder erschmecken)
istockphoto.com/Floriana
Wenn Ihr diese Gewürze als Grundstock habt, könnt Ihr in jede Richtung problemlos erweitern. Mit ein bisschen Zitronengras und Ingwer für die asiatische Küche, mit Curry und Kurkuma für die fernöstliche Cuisine.
Wenn Ihr dann immer noch hippe Gewürzmischungen in süßen Dosen wollt - dann stellt sie einfach selbst her! Für einen Bruchteil des Geldes und ein Vielfaches an Individualität und Kreativität.
Ihr könnt die schön anzusehenden Döschen mit Ihren Spezial Rezept Mischungen ja als Quelle der Inspiration ansehen und einfach mal schauen, was beispielsweise die Firma Just Spices für notwendig hält, um das perfekte Spinat-, Bratkartoffel-, Rührei-, Hähnchen-, oder Gemüse-Gewürz herzustellen und kreiert aus den angegebenen Inhaltsstoffen eure ganz eigene Mischung. Also Julias Joghurtjodler oder Finjas Fischfrische oder Tims Topping Trilogie...na ja, Ihr seht schon, wo es hinführen kann.
Also traut euch zu würzen und was für gut befunden wurde, kann, in hübsche Dosen abgepackt, mit Schleifchen geziert, der lieben Omi zu Weihnachten geschenkt werden. Die wird sich freuen, sowas gab‘s zu ihrer Zeit nämlich nicht! Zeig den Artikel auch Deinen Freunden, damit auch sie darüber nachdenken können, wie viel Gedanken sie sich wirklich über Gewürze machen wollen!