Kapitänin Carola Rackete drohen mehrere Jahre Haft

Jul 01, 2019 by apost team

Carola Rackete, Kapitänin des Seerettungsschiffs Sea Watch 3, hat vergangene Woche unerlaubt in Italien angelegt. Mit 40 Migranten an Bord widersetzte sie sich mit der Aktion den Anweisungen der italienischen Behörden. Nach Ankunft in Lampedusa drohen der Kapitänin nun mehrere Anklagen und neben einer Geldstrafe auch langjährige Haft. Sammelaktionen, die zugunsten ihrer Prozesskosten gestartet wurden, konnten bereits mehrere Hunderttausend Euro zusammenbringen.

In der Nacht zum Samstag war die 31-jährige Deutsche Kapitänin Carola Rackete unerlaubt in den Hafen von Lampedusa gesteuert, um das Rettungsschiff Sea Watch 3 mit 40 Migranten sicher an Land zu manövrieren.

Beim Anfahren in den Hafen stieß Rackete allerdings an ein Motorboot der Guardia di Finanza, einem italienischen Zoll- und Steuerpolizeiboot, das versucht hatte, sie vor dem Einfahren in den Hafen zu stoppen. 

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Grund für das abrupte Manöver war der extreme Notstand an Bord. Nach einer mehr als zweiwöchigen Odyssee auf dem Mittelmeer, seien die Zustände bei Besatzung und Crew nicht mehr aushaltbar gewesen. Es fehlte an Wasser, Müllberge stapelten sich und niemand habe mehr duschen können. Rackete hatte diesbezüglich bereits drei Mal Alarm geschlagen, auf eine Antwort der Italiener wartete sie vergeblich.

"Die Situation war hoffnungslos. Und mein Ziel war es lediglich, erschöpfte und verzweifelte Menschen an Land zu bringen“, erklärte Rackete über ihre Anwälte gegenüber der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera. Man habe Suizide befürchtet.

Gleich nach Ankunft des Schiffes wurde Rackete von der italienischen Polizei abgeführt. Aktuell stehe sie noch unter Hausarrest. Kurz darauf wurde die Sea-Watch 3 beschlagnahmt, so ein Sprecher der Organisation Sea-Watch. Lokale Nachrichtensender dokumentierten live das Geschehen. 

Hunderte Schaulustige, Helfer und Interessierte beobachteten zeitgleich die dramatischen Szenen an der Mole. Einige von ihnen, wie der Pfarrer der Insel, hatten bereits seit Tagen im Freien geschlafen, um so ihren Protest gegen das Anlegeverbot zu verdeutlichen. Viele bejubelten Rackete, klatschten für sie und lobten ihren Mut.

Andere wiederum warfen ihr illegales Verhalten vor, so auch eine Politikerin der rechtspopulistischen Partei von Innenminister Matteo Salvini. Sie warf den Helfern vor, Lampedusa zu überrennen und wolle Crew und Komplizin der Schlepper sofort verhaftet.

Die möglichen Anklagen

Neben der Anklage zur Beihilfe zur illegalen Einwanderung, muss sich die Deutsche nun wohl mehreren weiteren Vorwürfen stellen. Auch die Gefährdung eines Polizeibootes während der Einfahrt und die Widersetzung gegen die italienischen Behörden könnten gegen sie verwendet werden. 

Bereits die Aufnahme der zunächst 53 Migranten, sie sie am 12. Juni vor der Küste Libyens aufgenommen und nicht an Land gebracht hatte, kann bestraft werden. Rackete hatte ihre Entscheidung damit begründet, dass Libyen angesichts aktueller Konflikte kein sicherer Hafen sei. Somit wurde Lampedusa als nächstmöglicher Hafen angesteuert.

Sammelaktionen für Rackete

Vor einigen Tagen starteten die ersten Sammelaktionen, die zum Ziel haben, die hohe Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro, sowie die anfallenden Gerichtskosten des Prozesses zu decken. Bereits bis Sonntag kamen hierdurch mehrere Hunderttausend Euro zusammen.

Insbesondere durch den Aufruf zur Spende durch die Moderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf, die sich mit mit einem Video und vermehrten Beiträgen auf Social Media Plattformen an mögliche Spender richteten, konnte nicht nur viel Aufmerksamkeit, sondern auch eine hohe Geldsumme generiert werden.

Die Spendenaktion mit dem Titel "Leben retten ist kein Verbrechen" konnte zum aktuellen Zeitpunkt durch mehr als 26.000 Beteiligungen bereits über 725.000 Euro für die Seenotretter sammeln.

Internationale Aufmerksamkeit

Auch von internationalen Politikern erfährt Rackete aktuell große Zustimmung. 

"Menschenleben zu retten ist eine humanitäre Verpflichtung. Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden. Es ist an der italienischen Justiz, die Vorwürfe schnell zu klären. #Seawatch", schrieb Bundesaußenminister Heiko Maas auf seinem Social Media Account. 

Auch der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn meldete sich zu Wort. Über einen online verfassten Brief forderte er den italienischen Politiker Enzo Moavero Milanesi auf, sich für Freilassung Racketes einzusetzen. So schrieb er, die Kapitänin der Sea-Watch 3 habe sich "in der Pflicht befunden, 40 Migranten nach Lampedusa zu bringen".

Bereits fünf europäische Länder haben sich bereit erklärt, die Migranten aufzunehmen. Neben Deutschland, Frankreich und Luxemburg, boten auch Finnland und Portugal ihre Hilfe an.

Gehindert wird diese schnelle Hilfeoption durch Innenminister Salvini, der als Bedingung setzt, dass die Daten der Migranten nicht aufgenommen werden, bevor sie auf die anderen Länder verteilt werden. Eine Registration der Migranten in Lampedusa würde bedeuten, dass Italien als Erstland festgesetzt wird und sie somit jederzeit dorthin zurückgebracht werden könnten. 

Die EU wolle aktuell jedoch keine Ausnahme beim Dubliner Abkommens machen und geht demnach nicht den Forderungen Salvinis nach.

Die Migranten, die bereits eine wochenlange Tortur hinter sich gebracht haben, stehen somit noch immer nicht auf sicherem Boden.

Im Video kannst Du mehr über den Fall erfahren:

Was denkst Du über diese unglaublichen Nachrichten? War Carola Rackete im Recht, die Migranten nach Italien zu bringen oder hat sie eine harte Strafe verdient? Wir sind auf Deine Meinung gespannt! Vergiss nicht, diesen Beitrag auch Deinen Freunden zu zeigen, um gemeinsam darüber zu diskutieren.