Junge Retterinnen, nicht Heldinnen
Jul 04, 2019 by apost team
Junge Frauen wie Greta Thunberg und Carola Rackete stehen aktuell in allen Medien: Mit ihrem Idealismus und ihrem politischen Engagement erobern sie Herzen auf der ganzen Welt. Doch letztlich müssen wir alle handeln, um eine Veränderung zu erzeugen.
Michael Campanella/Getty Images
Erst war es Greta Thunberg, die junge Schülerin und Klimaaktivistin, nun ist es Carola Rackete, Kapitänin der Sea-Watch 3, die aktuell überall in allen Medien steht: Junge und mutige Frauen, die mit ihrer Überzeugung, Idealismus und Tatendrang Veränderungen fordern und dafür große Aufmerksamkeit erhalten.
Von den einen werden sie als soziales Idol verehrt, von den anderen als naive Weltverbesserer gehasst.
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Es waren unglaubliches Szenen, die sich am vergangenen Wochenende an der Küste von Lampedusa abspielten:
Carola Rackete, die Kapitänin der Sea-Watch 3, stellte sich gegen die Entscheidung der italienischen Behörden und fuhr mit ihrem Schiff ohne Erlaubnis in den Hafen der italienischen Insel ein.
In einem zuvor veröffentlichten Video der Hilfsorganisation sprach sie von Verantwortung, und davon, die über 40 geretteten Flüchtlingen an Land bringen zu wollen. Das tat sie dann auch, obwohl Küstenwache und Zoll zeitgleich vehement versuchten, dies zu verhindern.
Beim Einlaufen in den Hafen und der Ankunft der Kapitänin in Lampedusa wurden die unterschiedlichen Meinungen ihr gegenüber deutlich: So jubelten einige, als Rackete die Reling ihres Schiffes herunterschritt, während andere sie beschimpften und ihr Verhalten stark kritisierten.
Die Unterstützer und Fans der Aktion zeigten ihren Dank neben ermunterten Worten auch durch große Spenden. Die Moderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf konnten mit ihrer Spendenaktion bereits in wenigen Tagen fast eine Millon Euro sammeln.
Rackete wird als Heldin gefeiert, die handelt, wenn andere nur reden.
Andere, wie auch der italienische Innenminister Matteo Salvini, sehen in ihr eine Gesetzesbrecherin. Illegales Verhalten, Mithilfe zur unerlaubten Migration und Widerstand gegen die Behören wird ihr vorgeworfen. Ihr Verhalten sei frech, gar eine Gefährdung Italiens.
Während einige nur privat ihre Verärgerung kund tun, erreichen Rackete auf Social Media Kampfansagen, Beschimpfungen und Morddrohungen.
Die neuen Heldinnen der Gegenwart
Thomas Kronsteiner/Getty Images
Anders als einst Che Guevara, schaffen es heutige Vorbilder wie Carola Rackete, ohne Gewalt und Waffen eine Revolution zu starten. Rackete wird zur Sehnsuchts- und Hassfigur, motiviert andere zum Handeln und rettet durch ihr Engagement die Welt - souverän und vernünftig.
Die Heldinnen der Gegenwart treten ruhig aber bestimmt auf. Sich ihren Zielen bewusst, scheuen sie sich nicht davor, auch hohe Politiker zu kritisieren und die Entscheidungen Europas zu hinterfragen.
Menschenrechte sind zu respektieren, Klimaziele sollen umgesetzt werden - ohne Gewalt, ohne Drohungen.
Frauen wie Carola Rackete und Greta Thunberg stehen für vieles aber vor allem: Glaubwürdigkeit. Sie können einen Kardinal zum Spenden bringen und mit einfachen Worten die Aufmerksamkeit hoher Wirtschaftsführer erlangen.
Es sind junge Frauen, die sich einsetzen und Geschichte schreiben. Junge Frauen, die nicht in Aufsichtsräten, Vorständen oder vielen Staatspositionen sitzen, die als weniger korrupt gelten und sich nicht von Lobbyisten beeinflussen lassen. Es sind junge Frauen, die an ihren eigenen Werten und Taten gemessen werden und nicht mehr an dem Mann an ihrer Seite.
So werden junge Idealistinnen wie Rackete und Thunberg zu Hoffnungsträgerinnen, die wiederum idealisiert werden. Eine übermenschliche Kraft und Klarheit wird erwartet, keine Schwäche, keine Unsicherheiten. Ihr ganzes Leben soll für ihre Anliegen stehen und damit uns, die doch noch einige Fehler machen, entlasten.
Die jungen Kämpferinnen dürfen keine Fehler machen. Greta Thunberg könnte mit einem Inlandsflug ihr Image gefährden, Carola Rackete muss zeitgleich jedes Wort abwägen, das sie zur aktuellen Flüchtlingspolitik äußern möchte.
Es kann nicht genug sein, die neuen Heldinnen unserer Generation zu bejubeln und zu beklatschen. Solch eine Überforderung kann nur nach hinten losgehen. Die deutsche Kapitänin und die schwedische Schülerinnen müssen bei all ihrem heldenhaften Engagement auch Mensch bleiben dürfen.
Aus Projektionsfiguren müssen sie einfache Menschen werden, die uns als Vorbild dienen können. Nur so können auch wir es schaffen, im Alltag selbst zum Held zu werden.
Was ist Deine Meinung zu Greta Thunberg und Carola Rackete? Siehst Du die beiden Aktivistinnen als Heldinnen oder gar Vorbild oder kannst Du das große Medienecho um die beiden nicht nachvollziehen? Wir sind auf Deine Meinung gespannt! Zeige diesen Beitrag doch auch Deinen Freunden und Bekannten und frage sie nach ihren Gedanken zu den beiden Frauen.