Deshalb solltest Du Dein Kind nicht immer zwingen, sich zu entschuldigen

Jan 17, 2019 by apost team

Wenn Du Mutter oder Vater bist und Dein Kind etwas tut, was es eigentlich nicht soll, dann forderst Du es bestimmt dazu auf, sich zu entschuldigen, oder? Es ist üblich und eigentlich mag man denken, dass es gut ist, ein Kind auf einen Fehler hinzuweisen und es dazu aufzufordern, diesen zu berichtigen.

Experten haben nun aber herausgefunden, dass das Auffordern sich zu entschuldigen suboptimal ist und nach hinten losgehen kann.

Du solltest Kinder nicht unterschätzen. Sie wissen oftmals sehr wohl was sie tun und können auch einschätzen, ob eine Entschuldigung ehrlich ist oder nicht. Es ist also nicht verwunderlich, dass Forscher nun herausgefunden haben, dass eine gezwungene Entschuldigung einem Kind sogar schaden kann.

apost.com

istockphoto.com/fizkes

Die Forscher einer Universität in Michigan haben bei ihren Forschungen Kinder im Alter von 4 bis 9 Jahren untersucht.

Was sie herausgefunden haben, ist gravierend und erschreckend zugleich.

Ein Kind, das gezwungen wurde, sich bei einem anderen zu entschuldigen, obwohl es keine Reue empfand oder etwas Böses getan hatte, entwickelte durch die gezwungene Entschuldigung eine kurzzeitige Ablehnung gegen das Kind, bei welchem es sich entschuldigen musste.

istockphoto.com/Milkos

Außerdem fühlen Kinder sich nicht gut mit einer gezwungenen Entschuldigung. Sie fühlen sich schlecht damit, wenn sie die Entschuldigung nicht fühlen. Im Prinzip kann man sogar sagen, dass man es dazu zwingt zu lügen – denn es tut dem Kind nicht leid, es soll aber sagen, dass es ihm leidtut.

istockphoto.com/skynesher

Der Sinn einer Entschuldigung ist es, Reue zu zeigen. Man zeigt dem Gegenüber, dass das, was man getan hat, ein Fehler war, dass man das weiß und dass man es lieber nicht getan hätte. Durch den Zwang geht auch allgemein die Fähigkeit Reue zu empfinden und ehrliche Reue zu zeigen, verloren.

Durch den Zwang sich reumütig zu zeigen, obwohl man es nicht fühlt, wird auch das Verständnis gegenüber des beschuldigten Kindes gemindert. Es wird verhindert Mitgefühl zu entwickeln, was besonders später dazu führen kann, wenig Empathie für Mitmenschen zu empfinden und Konflikte zu lösen.

istockphoto.com/skynesher

Außerdem merken Kinder, wenn eine Entschuldigung ehrlich gemeint ist oder nicht. Wenn das geschädigte Kind bemerkt, dass die Entschuldigung nicht aufrichtig aus dem Herzen kommt, sinkt die Sympathie gegenüber des beschuldigten Kindes.

Laut den Forschern gibt es effektivere Lösungen als das Kind zu einer Entschuldigung zu zwingen. Man sollte dem Kind genügend Zeit lassen zu verstehen, dass das was es getan hat, nicht richtig war. Es muss die Gelegenheit bekommen, Empathie für das verletzte Kind zu entwickeln und ehrlich Reue zu fühlen. Du solltest Dir also sicher sein, dass Dein Kind wirklich fühlt, dass das was es getan hat, verkehrt war.

istockphoto.com/laflor

Und auch dann solltest Du es nicht zu einer Entschuldigung zwingen, sondern es vielmehr fragen, ob es sich entschuldigen möchte. Es muss vorgeschlagen, nicht festgesetzt werden. Dem Kind sollte die Wahl gelassen werden, denn auch wenn es Reue fühlt, sollte es nicht unter Druck gesetzt werden.

Wenn Dein Kind sich dazu entscheidet sich zu entschuldigen, dann stehe ihm dabei am besten zur Seite. So fühlt es sich bestärkt in dem, was es tut. Die Entschuldigung fühlt sich für dein Kind dann besser an.

istockphoto.com/shapecharge

Am besten sprichst Du danach auch mit Deinem Sprössling über das, was passiert ist. Lass es erklären, weswegen es getan hat, was falsch war, gib ihm die Möglichkeit sein Denken und Handeln zu begründen und höre ihm aufmerksam zu. Nur so kannst Du herausfinden, ob vielleicht tieferliegende Punkte ein Problem sind oder es nur eine Affekthandlung oder ein Versehen war.

Auch einwenig Ablenkung wie Spielen oder gemeinsames Fernsehen kann zwischen den Kindern wieder für Frieden sorgen und das unschöne Geschehen vergessen machen.

Wie gehst Du damit um, wenn Dein Kind etwas falsch gemacht hat und eine Entschuldigung angebracht wäre? Versuche in Zukunft Deinem Kind die Zeit zu lassen, das Geschehene erst selbst zu verarbeiten. Wir alle könnten hiervon lernen. Zeige diesen Beitrag deshalb auch Deinen Freunden und Bekannten, insbesondere, wenn sie Kinder haben.