Alleinerziehende in Deutschland und welche Respektlosigkeit ihnen täglich begegnet
Sep 10, 2018 by apost team
Das Leben als Alleinerziehender Elternteil ist nicht leicht, wird aber von vielen Frauen bejaht. Dennoch wird Alleinerziehenden oftmals mit Respektlosigkeit und Benachteiligung begegnet, das alles andere als gerechtfertigt ist.
Es gibt immer mehr alleinerziehende Eltern in Deutschland, inzwischen machen sie einen Anteil von 20 Prozent aller Familienformen aus. Dennoch scheint dieses Familienmodell noch immer nicht in der Gesellschaft angekommen zu sein, denn der Alltag wird für Kinder und Eltern immer schwieriger und von politischer Seite kommt zu wenig Unterstützung.
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Alleinerziehenden geht es schlechter als Paar-Familien
Im Jahre 2005 hatten 30 Prozent der Alleinerziehenden nur 60 Prozent eines durchschnittlichen deutschen Einkommens als Lebensunterhalt zur Verfügung. Rund zehn Jahre später geht es bereits mehr als 40 Prozent der alleinerziehenden Eltern so. Familien, die nach dem klassischen Familienmodell leben, haben ein immer weiter sinkendes Risiko, von Armut betroffen zu werden.
Zwar gab es viele Festlegungen seitens der Politik, leider ist die Situation für viele Familien deswegen umso prekärer geworden. Das Unterhaltsrecht von 2008 zwingt alleinerziehende Eltern in eine 40h-Arbeitswoche, wenn sie den Unterhalt für sich und ihre Kinder sichern wollen. Auch dann, wenn sie mehrere Kinder unterschiedlichen Alltags betreuen. Dass der Alltag für einen Menschen alleine so kaum bestreitbar ist, muss niemand erwähnen. Zwar sorgen ein geteiltes Sorgerecht dafür, dass beide Eltern die Verantwortung besser aufteilen können, jedoch führt das oftmals zu vielen Konflikten im Alltag und im Umgang miteinander.
Nur 50 Prozent der Ex-Partner zahlen Unterhalt
Erschwerend zu dieser Situation hinzu kommt, dass nur jeder zweite Ex-Partner Unterhalt für seine Kinder zahlt. Und von diesen 50 Prozent der Zahlungsbereiten Personen zahlt nur die Hälfte den Betrag, der gesetzlich vorgegeben ist. Dazu erhalten Alleinerziehende keinerlei steuerliche Vorteile und haben fast genauso hohe Abgaben wie kinderlose Singles.
Für Proteste ist keine Zeit
Alleinerziehende Eltern tragen jeden Tag eine enorme Verantwortung für ihre Kinder, müssen sich mit Formularen für Sozialleistungen herumschlagen und eventuell dem Ex-Partner mit ausstehenden Unterhaltsleistungen hinterherlaufen. Das alles fordert zusätzliche Energie, für dessen Aufwand Betroffene oft noch für ihren Erziehungsstil kritisiert werden. Wer so einen Alltag hat, hat keine Kraft mehr für Protest sondern versucht seine Zeit so effektiv wie möglich zu nutzen, damit es den Kindern an nichts fehlt. Hinzu kommt, dass die Probleme alleinerziehender Eltern oftmals nicht sonderlich stark thematisiert werden und eine Mobilisierung der Menschen schwierig wäre.
Die Sensibilität der Gesellschaft ist gefordert
Es gibt viele Wege, auf denen alleinerziehende Eltern unterstützt werden können. Kinderbetreuungen mit längeren Öffnungszeiten, Chefs mit mehr Verständnis und Nachbarn und Bekannte mit mehr Hilfsbereitschaft sind ein großer Schritt in die richtige Richtung. Vor allem gilt aber den Behörden, die Unterhaltspflicht konsequenter durchzusetzen, damit Alleinerziehende vor allem eine finanzielle Stütze erhalten. Es darf nicht an Respekt mangeln, denn viel zu oft vergessen die Menschen, was es bedeutet, seinen Lebensunterhalt mit Kindern ganz alleine zu bestreiten.
Die Politik muss vor allem die Missstände und Benachteiligungen im System ausräumen, denn auch sie profitiert davon, wenn Kinder in einem guten Umfeld aufwachsen und Menschen wieder mehr bereit sind, Kinder zu kriegen. Es darf nicht passieren, dass Kinder in Armut aufwachsen, weil ihre Eltern getrennt Leben. Die Ausweitung des Unterhaltsvorschusses vom 1. Juli ist ein gutes Zeichen, dass das Wohl alleinerziehender Eltern näher in den Vordergrund rückt.
Das ist Teil der neuen Regelung zum Unterhaltsvorschuss:
Unterhaltsvorschüsse werden von nun an auch für Kinder gezahlt, die älter als zwölf Jahre alt sind und es gibt keine Begrenzung mehr auf sechs Jahre. Der Unterhaltsvorschuss liegt zwischen 150 und 268 Euro monatlich und richtet sich nach dem Alter des Kindes. Für Kinder ab dem zwölften Lebensjahr, die in Hartz-IV-Familien leben, wird der Vorschuss bis zum achtzehnten Lebensjahr gezahlt, wenn der alleinerziehende Elternteil zusätzlich mindestens 600 Euro brutto verdient.
Welche Erfahrungen hast du im alltäglichen Umgang mit alleinerziehenden Eltern gemacht? Bist du vielleicht selbst alleinerziehend? Wie begegnen dir andere Menschen im Alltag? Trage auch du einen Teil zur gesellschaftlichen Akzeptanz von alleinerziehenden Eltern bei, indem du deine Freunde für das Thema sensibilisierst.